{"id":2523,"date":"2017-05-26T13:34:04","date_gmt":"2017-05-26T11:34:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.samita.be\/?p=2523"},"modified":"2017-05-28T09:23:42","modified_gmt":"2017-05-28T07:23:42","slug":"bhikkhunis-in-thai-monastic-education","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.samita.be\/de\/2017\/05\/26\/bhikkhunis-in-thai-monastic-education\/","title":{"rendered":"Bhikkhunis in der thail\u00e4ndischen M\u00f6nchsausbildung"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Bhante Sujato<\/em><br \/>\n<em>Erstmals ver\u00f6ffentlicht am 18.6.2008<\/em><br \/>\n<em>Deutsche \u00dcbersetzung von Wolfgang Neufing<\/em><\/p>\n<p>In der Debatte \u00fcber Bhikkhuni-Ordination spielt Information eine Schl\u00fcsselrolle. Wir haben in unserem Verst\u00e4ndnis von Buddhismus in der Geschichte, dem Verh\u00e4ltnis zwischen verschiedenen buddhistischen Traditionen und so weiter wesentliche Fortschritte gemacht. Aber ungl\u00fccklicherweise ist nur wenig davon zu den traditionellen Sangha-Institutionen vorgedrungen. Organisationen wie der Thai-Sangha scheinen ein Ressort tiefen Wissens \u00fcber den Dhamma zu sein, scheinen voller Experten, die gr\u00fcndlich versiert sind. Aber das ist leider keineswegs der Fall. In Wirklichkeit erh\u00e4lt die gro\u00dfe Mehrheit der thail\u00e4ndischen M\u00f6nche nur eine elementare buddhistische Ausbildung, die weitgehend auf ein paar ca. hundert Jahre alten B\u00fcchern basiert.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit erfuhr der thail\u00e4ndische Buddhismus eine rasante Modernisierung. Die K\u00f6pfe des Thai-Sangha standen an der Spitze derer, die sich f\u00fcr eine Neubewertung ihrer eigenen Tradition einsetzten und diese auf die fr\u00fchesten Texte der Lehre st\u00fctzten. Prinz Mongkut hatte mit dieser Tradition begonnen und Prinz Vajira\u00f1\u0101\u1e47a hat sie weitergef\u00fchrt, jeweils w\u00e4hrend ihrer Zeit als M\u00f6nch. Sie entdeckten die zentrale Bedeutung des Palikanons aufs Neue und f\u00f6rderten einen rationalen, nicht abergl\u00e4ubischen Zugang zum Dhamma. So legten sie die Grundlagen des modernen thail\u00e4ndischen Buddhismus. Sie hatten jedoch nur Zugang zu einem kleinen Teil der buddhistischen Schriften und unser textuelles, arch\u00e4ologisches und historisches Verst\u00e4ndnis hat sich seitdem rasch weiterentwickelt. Wegen des k\u00f6niglichen Prestiges der Texte ist es aber fast unm\u00f6glich gewesen, sie zu aktualisieren. Daher h\u00e4ngt der Sangha heute noch an den \u00fcberholten und oft falschen Schlussfolgerungen dieser Texte und ignoriert den fragenden und forschenden Geist, auf dem sie beruhen.<\/p>\n<p>In der Debatte \u00fcber Bhikkhunis steht die folgende Passage f\u00fcr eine der einflussreichsten Aussagen zu dem Thema. Sie findet sich in Prinz Vajira\u00f1\u0101\u1e47as Vinayamukha, dem grundlegenden Vinayatext, den alle thail\u00e4ndischen M\u00f6nche lernen. Sp\u00e4ter werde ich zeigen, inwiefern seine Schlussfolgerungen \u00fcber Bhikkhunis falsch sind, aber wir m\u00fcssen anerkennen, dass diese Kritik ganz im Geiste des Artikels selbst ist. Der Text behauptet keine dogmatische Ideologie, er gr\u00fcndet sich auf die Vernunft und versucht eine historische Tatsache nachzuweisen. Gerade weil der Text selbst rational ist, sind wir in der Lage, ihn aus rationaler Sicht zu kritisieren. Denn, wie der Buddha sagt, was mit Vernunft erarbeitet wurde ist, ist nicht notwendigerweise korrekt.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Vinayamukha Bd. III Standardtext<\/strong><br \/>\nLiengchieng Press, Bangkok, S. 170.<\/p>\n<p>Der Bhikkhuni Sangha entstand in der Mitte der Zeit des Buddhas. Aber zurzeit von Buddhas Erl\u00f6schen werden Bhikkhunis nicht erw\u00e4hnt. Das war damals ein gro\u00dfes Ereignis, und wenn es noch Bhikkhunis gegeben h\u00e4tte, w\u00e4ren sie zur Verbrennung gekommen oder h\u00e4tten an der Reliquienfeier teilgenommen. Dies ist ein Indiz daf\u00fcr, dass die Bhikkhunis hundert Jahre nach dem Tod des Buddhas bereits verschwunden gewesen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Es gibt eine Geschichte [aus der Zeit der Zweiten Konzils, 100 Jahre nach Buddhas Parinibbana] \u00fcber die Ehrw. Bhikkhuni Nand\u0101 Ther\u012b, K\u00f6nig K\u0101la\u015bokas Schwester, die ihm berichtete, dass die Vajjiputtaka-M\u00f6nche falsche Auslegung [des Vinaya] verbreiteten.<\/p>\n<p>Dann gibt es eine lange Geschichte aus dem Jahr 236 vor Christus w\u00e4hrend der Regierungszeit des K\u00f6nigs A\u015boka, als Sa\u1e45ghamitt\u0101, seine Tochter, zur Bhikkhuni ordiniert wurde. Der K\u00f6nig sandte sie nach Sri Lanka, um dort den Bhikkhuni-Sangha zu gr\u00fcnden. Zur selben Zeit war auch Mahinda Thera, K\u00f6nig A\u015bokas Sohn, bereits dort, um den Buddhismus aufzubauen. Sa\u1e45ghamitt\u0101 Ther\u012b ordinierte singalesische Frauen, an ihrer Spitze Prinzessin Anul\u0101.<\/p>\n<p>Von diesen beiden Geschichten nun findet sich die Geschichte der Ehrw\u00fcrdigen Nand\u0101 Ther\u012b nicht im Pali Sattasatikkhandaka [der kanonischen Quelle des Zweiten Konzils], sondern im Mahava\u1e41sa, das nach den Kommentaren entstand (im 5. Jhdt. nach Christus).<\/p>\n<p>Die Geschichte von Sa\u1e45ghamitt\u0101 wird im [Vinaya-] Kommentar [Samantap\u0101s\u0101dik\u0101] erz\u00e4hlt. Die Namen der begleitenden Bhikkhunis werden im Unterschied zu Mahindas Fall nicht genannt [dieser reiste mit einer Gruppe namentlich bekannter M\u00f6nche nach Sri Lanka]. Es ist lediglich berichtet, dass K\u00f6nig A\u015boka Mah\u0101r\u0101ja die Ehrw\u00fcrdige und ihre Begleitung einlud, an Bord des Schiffes zu kommen. Es gibt keine Einzelheiten \u00fcber ihre Begleitung wie die Zahl der Bhikkhunis oder ihre Namen. Wie konnte sie die Ordination geben, wenn sie allein dorthin ging? Der Kommentator glaubt auch, dass eine Bhikkhuni jedes Jahr eine Ordination geben kann. So gesehen, k\u00f6nnen wir uns auf diesen Hinweis nicht verlassen. Somit gilt es als erwiesen, dass die Bhikkhunis seitdem verschwunden sind. <span style=\"color: #333333;\">[Deutsch aus Bhikkhuni Dhammanandas englischer \u00dcbersetzung]<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Oberfl\u00e4chlich erscheint diese Passage widerspr\u00fcchlich: Wenn es zum Zeitpunkt des Parinibbana keine Bhikkhunis mehr gab, wie konnten sie bis zur Zeit A\u015bokas \u00fcberlebt haben? Obwohl die Begr\u00fcndung nicht immer ganz klar ist, scheint mir, dass die Passage eine sehr rationale These vorlegt.<\/p>\n<p>Ich denke, wir k\u00f6nnen die Logik wie folgt neu formulieren.<\/p>\n<p>Die kanonischen Texte schlagen vor, dass die Bhikkhunis schon zur Zeit des Parinibbana verschwunden waren. In der sp\u00e4teren Literatur gibt es jedoch gelegentliche Bez\u00fcge zu Bhikkhunis. Aber diese Passagen erscheinen in Texten, die viele nichthistorische Informationen enthalten und die deshalb sehr wohl falsch sein k\u00f6nnen. Nichtsdestotrotz, wenn die Bhikkhunis bis zur Zeit A\u015bokas \u00fcberlebten, dann bedeutet die Tatsache, dass Sa\u1e45ghamitt\u0101 kein vollst\u00e4ndiger Sangha zur Verf\u00fcgung stand, um eine Ordination vorzunehmen, dass die Linie dort endete.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich das im Einzelnen betrachten.<\/p>\n<p><em>1. Die Bhikkhunis waren bei Buddhas Parinibbana nicht anwesend.<\/em><\/p>\n<p>Das Mah\u0101parinibb\u0101na Sutta, der Standardtext zu Buddhas Erl\u00f6schen, erw\u00e4hnt nicht, dass Bhikkhunis an Buddhas Totenbett zugegen waren. Ganz klar ist es nicht, aber der Vinayamukha scheint daraus zu folgern, dass es da bereits keine Bhikkhunis mehr gab. Diese Schlussfolgerung ist jedoch offensichtlich falsch, nicht nur wegen der vielen Hinweise auf Bhikkhunis im Laufe der Geschichte, sondern auch wegen der Verweise im Mah\u0101parinibb\u0101na Sutta selbst.<\/p>\n<p>Der erste Verweis auf Bhikkhunis im Mah\u0101parinibb\u0101na Sutta ist Buddhas Erw\u00e4hnung einer k\u00fcrzlich verstorbenen Bhikkhuni, Nand\u0101, und ihre Lobpreisung als Nichtwiederkehrerin.<\/p>\n<p>Wichtiger noch ist der Bericht \u00fcber diese Worte, die der Buddha an M\u0101ra richtete:<\/p>\n<blockquote><p>Ich werde nicht von hinnen scheiden, du B\u00f6ser, solange meine Bhikkhus und Bhikkhunis, Laienanh\u00e4nger und Laienanh\u00e4ngerinnen noch nicht kluge, wohlgeschulte, ihrer Sache sichere, gut unterrichtete J\u00fcnger sind, die die Lehre kennen und befolgen, den rechten Pfad in \u00dcbereinstimmung mit der Lehre wandeln, die, was sie gelehrt bekommen haben, so wie sie selbst es gelernt haben, mitteilen, lehren, verk\u00fcnden, aufstellen, darlegen, auseinandersetzen und klarmachen werden und die, indem sie Widerspruch, der sich erhebt, mit der Macht der Wahrheit erfolgreich zum Schweigen bringen, die einwandfreie Lehre verk\u00fcnden werden. <span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #333333;\">[Diese und die folgenden Passagen aus dem Mah\u0101parinibb\u0101na-Sutta fu\u00dfen auf Otto Frankes \u00dcbersetzung:<\/span> <a href=\"https:\/\/suttacentral.net\/de\/dn16\" target=\"_blank\">https:\/\/suttacentral.net\/de\/dn16<\/a><span style=\"color: #333333;\">]<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Somit gab es nicht nur Bhikkhunis, sondern sie waren ein wesentlicher Teil des buddhistischen Lehrgeb\u00e4udes. Der Buddha w\u00fcrde erst sterben, wenn die Bhikkhunis fest etabliert w\u00e4ren. Von dieser Aussage, die in den verschiedenen Versionen dieses Textes weit verbreitet ist, hei\u00dft es, sie sei vom Buddha kurz nach seinem Erwachen gemacht worden. Vom Beginn seiner Lehrt\u00e4tigkeit an war es sein ausgewiesenes Bestreben, den Bhikkhuniorden zu etablieren.<\/p>\n<p>Etwas weiter verweist das Sutta wieder auf Bhikkhunis als einen positiven und wesentlichen Bestandteil des buddhistischen Systems:<\/p>\n<blockquote><p>Aber Ananda, der vielmehr, sei es Bhikkhu oder Bhikkhuni, m\u00e4nnlicher oder weiblicher Laienfreund, der die Lehre befolgt und den rechten Pfad in \u00dcbereinstimmung mit der Lehre wandelt, der erweist dem Tath\u0101gata Ehre, Hochachtung, Anerkennung und h\u00f6chste Huldigung. Darum, Ananda, m\u00fcsst ihr euch bem\u00fchen, die Lehre zu befolgen und den rechten Pfad in \u00dcbereinstimmung mit der Lehre zu wandeln.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und ein wenig weiter unten kommt das gleiche Thema wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Ananda, folgende vier auf das Gem\u00fct wirkende St\u00e4tten muss ein ordentlicher Mensch, der gl\u00e4ubig ist, sehen: die St\u00e4tte, wo der Tath\u0101gata geboren ist; die, wo er zur h\u00f6chsten vollkommenen Buddhaschaft durchgedrungen ist; die, wo er das herrliche Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat; und die, wo er in das Nibbana restloser Erl\u00f6sung eingegangen ist. Das, Ananda, sind die vier auf das Gem\u00fct wirkenden St\u00e4tten, die ein ordentlicher Mensch, der gl\u00e4ubig ist, sehen muss. Ananda, es werden gl\u00e4ubige Bhikkhus und Bhikkhunis, Laienanh\u00e4nger und Laienanh\u00e4ngerinnen kommen an die St\u00e4tte, wo der Tath\u0101gata geboren ist, wo er zur h\u00f6chsten vollkommenen Buddhaschaft durchgedrungen ist, wo er das herrliche Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat und wo er in das Nibbana restloser Erl\u00f6sung eingegangen ist. Denn, Ananda, alle, die auf der Wallfahrt zu einer solchen heiligen Denkst\u00e4tte gl\u00e4ubigen Sinnes sterben, werden nach ihrem k\u00f6rperlichen Ende, dem Tode, ins freudenvolle Himmelreich eingehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und einmal mehr:<\/p>\n<blockquote><p>Ananda ist klug, ihr Bhikkhus, er wei\u00df, welches die geeignete Zeit f\u00fcr Bhikkhus ist, zum Tath\u0101gata zu Besuch zu kommen, und welches die f\u00fcr Bhikkhunis, f\u00fcr Laienfreunde beiderlei Geschlechts, f\u00fcr einen K\u00f6nig, f\u00fcr seine Minister, f\u00fcr Sektenstifter und ihre J\u00fcnger.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist vollkommen offensichtlich, dass es nach der Pali-Version des Mah\u0101parinibb\u0101na Suttas zur Zeit des Parinibbana des Buddhas Bhikkhunis gab und dass sie dar\u00fcber hinaus als regul\u00e4rer, wesentlicher Bestandteil der Gemeinschaft des Buddhas betrachtet wurden. Dass Bhikkhunis in diesem Text beim Sterben des Buddhas nicht als anwesende Personen vorkommen, muss andere Gr\u00fcnde haben. Die Redakteure des Textes, die nat\u00fcrlich M\u00f6nche waren, haben vielleicht die Bhikkhunis einfach nicht erw\u00e4hnt. Oder vielleicht waren keine Bhikkhunis in der N\u00e4he, die man rechtzeitig h\u00e4tte benachrichtigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine Untersuchung der (sehr vielen) Versionen des Suttas, die auf Chinesisch, Tibetisch und in Sanskrit vorliegen, w\u00e4re ebenfalls notwendig, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Aber bedauerlicherweise wei\u00df kaum einer der thail\u00e4ndischen M\u00f6nche, dass es diese Texte \u00fcberhaupt gibt. F\u00fcr sie ist alles au\u00dferhalb des Pali-Kanons \u201aMahayana\u2018 und deshalb falsch und nicht relevant. Auch dieser naive und sektiererische Missbrauch von Textkritik basiert weitgehend auf Ideen des 19. Jahrhunderts. Mongkut und Vajira\u00f1\u0101\u1e47a, unter westlichem Einfluss erzogen, f\u00fchrten zwar die Idee der kritischen Untersuchung der \u00fcberkommenen Texte ein. Aber dies geschah auf dem Kenntnisstand buddhistischer Texte im weiteren akademischen Umfeld jener Zeit. Die chinesischen und tibetanischen Texte waren kaum von Westlern gelesen worden, und selbst unter westlichen Wissenschaftlern bestand weithin der Glaube, dass die Mahayana-Traditionen nicht mehr als sp\u00e4tere degenerative Entwicklungen w\u00e4ren. Die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts hat diese Sichtweise systematisch korrigiert und dabei den Respekt vor dem Pali-Kanon beibehalten. Doch die Existenz von mehreren Versionen des Vinaya, von mehreren Parallelsammlungen zu den Nik\u0101yas des Pali-Kanons, von umfangreichem Manuskriptmaterial aus Zentralasien und von anderswo &#8211; all das hatte bis heute keinen Einfluss auf den ideologischen Standpunkt, der den Pali-Kanon als das Ein und Alles des Buddhismus betrachtet.<\/p>\n<p><em>2. Die Geschichte von Bhikkhuni Nand\u0101 wird in der kanonischen Version des Zweiten Konzils nicht erw\u00e4hnt.<\/em><\/p>\n<p>Das stimmt. Trotzdem ist es kein Argument, zu sagen, es h\u00e4tte keine Bhikkhunis gegeben. Viele Details der sp\u00e4teren Berichte werden im Kanon nicht erw\u00e4hnt. K\u00f6nig K\u0101\u1e37a\u015boka ist im kanonischen Bericht nicht erw\u00e4hnt und wir leiten daraus nicht ab, dass es zu jener Zeit keine K\u00f6nige gegeben habe. Ebenso wird im Kanon das Rezitieren der Schriften nicht erw\u00e4hnt oder irgendeine Verbindung zwischen den Vajjiputtakas und den Mah\u0101sa\u1e45ghikas, usw. Aber das hindert Theravada-Anh\u00e4nger nicht daran, diese \u201aTatsachen\u2018 in ihren Berichten endlos zu wiederholen.<\/p>\n<p>Es ist ganz richtig: Kanonische Berichte erw\u00e4hnen die Bhikkhunis nicht, denn das Zweite Konzil war im Wesentlichen eine Disziplinarma\u00dfnahme gegen die abtr\u00fcnnigen Vajjiputtaka-M\u00f6nche, und Bhikkhunis w\u00e4ren bei einem solchen Treffen nicht zugegen gewesen. K\u00f6nig K\u0101\u1e37a\u015boka, Bhikkhuni Nand\u0101 und der Rest kamen viel sp\u00e4ter in die Geschichte hinein.<\/p>\n<p>Aber Nand\u0101s Geschichte zeigt den Einfluss von Bhikkhunis im fr\u00fchen indischen Buddhismus. Ob die Geschichte historisch ist oder nicht, sie zeigt, dass Bhikkhunis in solch einer starken Rolle zu sehen waren.<\/p>\n<p><em>3. Sa\u1e45ghamitt\u0101 wurde nicht von Bhikkhunis begleitet, daher konnte sie die Bhikkhuni-Ordination nicht korrekt durchf\u00fchrt haben.<\/em><\/p>\n<p>Diese Schlussfolgerung wurde auf Grundlage des Samantap\u0101s\u0101dik\u0101 und auch des Mahava\u1e41sa gezogen. Der Vinayamukha merkt an, dass der Samantap\u0101s\u0101dik\u0101 in der Tat beschreibt, dass Sa\u1e45ghamitt\u0101 mit einer Gruppe reiste, aber es g\u00e4be keine Beweise, das seien Bhikkhunis gewesen. Aber der Mahava\u1e41sa ist nur eine sp\u00e4tere Version des D\u012bpava\u1e41sa, der \u00e4lter ist und historisch zuverl\u00e4ssiger. <span style=\"color: #333333;\"><em>[Anderswo (in &#8222;Sects &amp; Sectarianism&#8220;) habe ich gewisse Aspekte des D\u012bpava\u1e41sa kritisiert, aber wie dort beschrieben, das war nur zutreffend f\u00fcr die fr\u00fcheren Teile nicht f\u00fcr die Ereignisse in Sri Lanka.]<\/em><\/span> Und in der Tat, der D\u012bpava\u1e41sa f\u00fchrt die Namen von Sa\u1e45ghamitt\u0101s Begleitern auf: zehn Bhikkhunis, alle Arahants mit \u00fcbersinnlichen Kr\u00e4ften <span style=\"color: #808080;\"><em>[<span style=\"color: #333333;\">D\u012bpava\u1e41sa 13.2.77-8: Sa\u1e45ghamitt\u0101 mah\u0101pann\u0101 uttar\u0101 ca vicakkha\u1e47\u0101\/Hem\u0101 ca m\u0101sagall\u0101 ca aggimitt\u0101 mit\u0101vad\u0101\/Tapp\u0101 pabbatachinn\u0101 ca mall\u0101 ca dhammad\u0101sik\u0101\/Ettak\u0101 t\u0101 bhikkhuniyodh\u016btar\u0101g\u0101 sam\u0101hit\u0101 auf:<\/span> <a href=\"https:\/\/opac.sub.uni-goettingen.de\/DB=1\/FKT=1016\/FRM=dipavamsa\/IMPLAND=Y\/LNG=DU\/LRSET=1\/SET=1\/SID=27d92578-2\/SRT=YOP\/TTL=1\/SHW?FRST=2\" target=\"_blank\">https:\/\/opac.sub.uni-goettingen.de\/DB=1\/FKT=1016\/FRM=dipavamsa\/IMPLAND=Y\/LNG=DU\/LRSET=1\/SET=1\/SID=27d92578-2\/SRT=YOP\/TTL=1\/SHW?FRST=2<\/a><span style=\"color: #333333;\">.\u00a0<\/span><\/em><\/span><span style=\"color: #333333;\"><em>Englische \u00dcbersetzung: Hermann Oldenburg, 3rd reprint, New Delhi 2001. p.205 Chapter 18.11-13.]<\/em><\/span>. Aber dieser Text war in Thailand wenig bekannt.<\/p>\n<p>Wenn wir bedenken, wie wichtig Mahinda offenbar den Vinaya nahm, ist es unvorstellbar, dass eine Ordination ohne die Anwesenheit von Bhikkhunis durchgef\u00fchrt worden sein soll. Aber der vorliegende Text ist weit mehr daran interessiert, Legenden rund um das \u00dcberbringen des Bodhi-Baums zu weben, als Vinaya-Prozeduren zu beschreiben. Argumente, die auf der Abwesenheit von etwas fu\u00dfen, sind immer fragw\u00fcrdig, weil alle Auslassungen durch die Redakteure festgelegt werden.<\/p>\n<p>Und weiter: Der Samantap\u0101s\u0101dik\u0101 selbst erw\u00e4hnt Bhikkhunis mehrmals. Die Namen von Sa\u1e45ghamitt\u0101s Ordinationsgeberin und Lehrerin werden genannt. Und es wird gesagt, dass bei einer gro\u00dfen Versammlung 9.600.000 Bhikkhunis anwesend gewesen seien. <span style=\"color: #333333;\"><em>[Der chinesische Sudassanavinayavibh\u0101s\u0101 bringt die moderatere aber immer noch unwahrscheinliche Zahl von 960.000.]<\/em> <\/span>Ohne Zweifel eine unm\u00f6gliche Zahl, aber ein klarer Hinweis auf eine substantielle Gemeinschaft von Bhikkhunis.<\/p>\n<p>Alle oben angef\u00fchrten Hinweise standen dem Autor des Vinayamukha zu Verf\u00fcgung. Es gibt keine Entschuldigung daf\u00fcr, dass sie nicht in Betracht gezogen wurden. Indes sind seit jener Zeit substantielle neue Zeugnisse zu Tage getreten. Die wichtigsten sind die Edikte des K\u00f6nigs Asoka, die Bhikkhunis erw\u00e4hnen; tats\u00e4chlich erw\u00e4hnen sie Bhikkhus und Bhikkhunis immer zusammen. Nach den Forschungen von Gregory Schopen erw\u00e4hnen die in Indien gefundenen Inschriften Bhikkhunis ungef\u00e4hr so oft wie Bhikkhus. Und sie spielen die gleichen Rollen: sie lehren, rezitieren Texte, f\u00f6rdern Bauprojekte usw. Und gleicherma\u00dfen spielen Bhikkhunis ihre Rolle in den Schriften des indischen Buddhismus, auch wenn es eine stille Rolle ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir nicht erwarten, dass der Autor des Vinayamukha von solchen Dingen wusste. Noch konnte er von den historischen Berichten wissen, die die \u00dcbertragung der Bhikkhuni-Linie von Sri Lanka nach China beschreiben; oder dass die chinesische Dharmaguptaka-Vinayalinie im Wesentlichen identisch ist mit dem Theravada-Vinaya; oder von den umfangreichen Beweisen f\u00fcr Bhikkhunis in der thail\u00e4ndischen Geschichte. Noch, traurig genug, k\u00f6nnen wir von ihm erwarten, in einer sinnvollen Art auf die spirituellen Bestrebungen von Frauen in unserer modernen Zeit einzugehen. Anscheinend glaubte er, wie so viele im thail\u00e4ndischen Buddhismus, dass die h\u00f6heren spirituellen Ziele in unseren degenerierten Zeiten nicht mehr erreichbar w\u00e4ren. Sein Hauptziel war das Schaffen einer religi\u00f6sen Basis f\u00fcr den Aufbau der thail\u00e4ndischen Nation.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen und sollten erwarten, dass der heutige Sangha diese Dinge kennt. Die Trag\u00f6die ist nicht ein Dhamma-Buch, das offensichtliche Fehler enth\u00e4lt; das ist normal. Die Trag\u00f6die ist, dass die Fehler endlos fortgef\u00fchrt werden, ohne sie zu untersuchen oder sie zu bereinigen. Der Geist des Fragens und der Vernunft, auf dem die Thai-Sangha Reformen des 19. Jahrhunderts beruhten, ist verschwunden. Meine Kritik ist nicht neu oder un\u00fcblich. Sie wurde vielfach durch thail\u00e4ndische M\u00f6nche und in der thail\u00e4ndischen Gemeinde vorgetragen. Aber es scheint, als sei der Thai-Sangha nicht mehr f\u00e4hig, sich in einer Weise zu reformieren, die ihn f\u00fcr unsere Zeit relevant werden l\u00e4sst. Der Reformgeist, der Prinz Vajira\u00f1\u0101\u1e47a inspirierte, ist l\u00e4ngst aus den Institutionen, die er errichtet hat, verschwunden. <span style=\"color: #333333;\"><em>[Siehe z. B. Thanissaro, &#8222;The Traditions of the Noble Ones\u2019&#8220;,\u00a0<\/em><\/span><span style=\"color: #808080;\"><em><a href=\"http:\/\/www.dhammatalks.org\/Archive\/Writings\/CrossIndexed\/Uncollected\/MiscEssays\/The%20Traditions%20of%20the%20Noble%20Ones.pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dhammatalks.org\/Archive\/Writings\/CrossIndexed\/Uncollected\/MiscEssays\/The%20Traditions%20of%20the%20Noble%20Ones.pdf<\/a>\u00a0<\/em><\/span><span style=\"color: #808080;\"><em><span style=\"color: #333333;\">Phra Paisan Visalo \u2018When Buddhist Monks Cheat in Exams\u2019,<\/span> <a href=\"http:\/\/www.buddhistchannel.tv\/index.php\" target=\"_blank\">http:\/\/www.buddhistchannel.tv\/index.php<\/a><span style=\"color: #333333;\">.]\u00a0Heute m\u00fcssen wir den Dhamma anderswo suchen.\u00a0<\/span><\/em><\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Bhante Sujato Erstmals ver\u00f6ffentlicht am 18.6.2008 Deutsche \u00dcbersetzung von Wolfgang Neufing In der Debatte \u00fcber Bhikkhuni-Ordination spielt Information eine Schl\u00fcsselrolle. Wir haben in unserem Verst\u00e4ndnis von Buddhismus in der Geschichte, dem Verh\u00e4ltnis zwischen verschiedenen buddhistischen Traditionen und so weiter&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/www.samita.be\/de\/2017\/05\/26\/bhikkhunis-in-thai-monastic-education\/\">Mehr Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2523","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2523"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2649,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2523\/revisions\/2649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.samita.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}