{"id":3159,"date":"2017-09-20T07:45:16","date_gmt":"2017-09-20T05:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.samita.be\/?p=3159"},"modified":"2018-08-08T09:52:30","modified_gmt":"2018-08-08T07:52:30","slug":"the-true-story-of-a-tibetan-nun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.samita.be\/de\/2017\/09\/20\/the-true-story-of-a-tibetan-nun\/","title":{"rendered":"Die wahre Geschichte einer tibetisch-buddhistischen Nonne"},"content":{"rendered":"<p><em>(Von Ayya Yeshe Chodron; deutsch von Anagarika Sabbamitta)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/discourse.suttacentral.net\/t\/the-true-story-of-a-tibetan-nun\/6441?u=sabbamitta\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Originalartikel<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3160\" src=\"https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dec2012-088-300x218.jpg\" alt=\"Ayya Yeshe\" width=\"300\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dec2012-088-300x218.jpg 300w, https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/dec2012-088.jpg 330w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Es war Nacht geworden, und Ani-La konnte endlich das Haus verlassen, um nach Essbarem zu suchen. Auf dem kurzen Weg um das Dharmazentrum vergewisserte sie sich, dass sie nicht gesehen wurde.\u00a0 Sie \u00f6ffnete die Biom\u00fclltonne, die am weitesten von der Stra\u00dfenlampe entfernt war, zog rasch eine Taschenlampe aus ihrer Umh\u00e4ngetasche und schaute in die Tonne. Sie fand einige halbverfaulte Tomaten und M\u00f6hrenschalen. Gestern hatte sie sogar einen Rest Paprika gefunden, das war einfacher zu s\u00e4ubern und hielt sich l\u00e4nger frisch. Das Problem mit anderem Obst und Gem\u00fcse war meistens, dass es schnell faulte oder schimmelte, so dass es ihr davon schlecht wurde oder sie erbrechen musste. Aus Angst, entdeckt zu werden, nahm sie sich nie mehr als drei M\u00fclltonnen pro Nacht vor\u2014das w\u00e4re sonst so eine Schande f\u00fcr ihren Lama gewesen!<\/p>\n<p>Als Westlerin eine tibetisch-buddhistische Nonne zu sein, ist auf vielen Ebenen eine gro\u00dfe Herausforderung. Viele Nonnen leben in Armut und m\u00fcssen wie Ani-La ihrem Dharmazentrum Miete zahlen. M\u00f6nche k\u00f6nnen manchmal kostenlos dort leben, besonders wenn sie Tibeter sind, aber Nonnen nicht. Viele Nonnen sind gezwungen, f\u00fcr ihren Lebensunterhalt zu arbeiten, obwohl das den Anweisungen des Buddha entgegen geht. Westliche Nonnen haben nicht die M\u00f6glichkeiten zum Studium wie tibetische Nonnen, so dass es f\u00fcr sie nicht einfach ist, zu unterscheiden, was dem Dharma entspricht und was nicht.<\/p>\n<p>Ani-La lebte seit Jahren in zunehmender Armut, was verschiedene weitere Probleme mit sich brachte: Sie nahm ab, ihre Gesundheit verschlechterte sich, Wunden wollten nicht heilen, sie hatte vor Hunger heftige Kr\u00e4mpfe und konnte nachts nicht schlafen. Sie hatte zunehmende Probleme, sich zu konzentrieren. Sie wurde zuerst emotional \u00fcberempfindlich, und dann stumpfte sie ab. Am schlimmsten war f\u00fcr sie die soziale Isolation. Au\u00dfer mit ihrem Lehrer konnte sie mit niemandem \u00fcber ihre Lage sprechen. Au\u00dferdem entwickelte sie immer mehr Zweifel an sich selbst als Nonne und als Mensch und f\u00fchlte sich schuldig, weil sie so ein schlechtes Karma hatte. Diese Selbstabwertung nagte st\u00e4rker an ihr als der Hunger.<\/p>\n<p>Wer schon einmal ein Dharmazentrum im Westen besucht hat, hat vielleicht ein seltsames Ph\u00e4nomen bemerkt: Wenn tibetische M\u00f6nche einen Raum betreten, werden sie als hohe Lamas verehrt, wohingegen die Menschen ihre eigenen M\u00f6nche und Nonnen h\u00e4ufig viel weniger respektvoll oder sogar, wie in Ani-Las Fall, wie Laienpraktizierende behandeln. Das stimmt nicht mit den Anweisungen des Buddha \u00fcberein. Es hei\u00dft, dass etwa 80 % der westlichen M\u00f6nche und Nonnen die Robe wieder ablegen, und der Hauptgrund daf\u00fcr ist eine unzureichende Unterst\u00fctzung: auf materieller, emotionaler und spiritueller Ebene. Die Bedingungen f\u00fcr Nonnen sind gew\u00f6hnlich h\u00e4rter als f\u00fcr M\u00f6nche. Und dabei\u00a0strengte Ani-La sich doch so an, um ihr Zentrum am Laufen zu halten!<\/p>\n<p>Was Ani-La am meisten fehlte, war nicht das k\u00f6rperliche Wohlbefinden, obwohl sie sich ernsthaft Sorgen um ihre Gesundheit machte, da ihr klar war, dass ab einem gewissen Punkt nicht wiedergutzumachende Sch\u00e4den eintreten k\u00f6nnten. Am meisten sehnte sie sich nach Kontakt mit anderen tibetisch-buddhistischen M\u00f6nchen und Nonnen\u2014Menschen mit den gleichen Zielen\u2014, und nach der M\u00f6glichkeit, zu studieren\u2014einem Mittel, um ihre Hoffnungen zu erf\u00fcllen. Es war hart f\u00fcr sie, \u00fcber Jahre keinen pers\u00f6nlichen Kontakt zu einer anderen Nonne zu haben oder zu jemandem, der ihre vielen Fragen zum Dharma beantworten konnte. Trotz alledem war sie f\u00fcr ihre Hilfsbereitschaft bekannt und daf\u00fcr, dass sie stets ein L\u00e4cheln hatte. Was gab ihr diese Kraft? Der Dharma und ihre Gel\u00fcbde. Von den verg\u00e4nglichen Freuden des Samsara f\u00fchlte sie sich nicht angezogen, und sie war zutiefst dankbar, dass sie eine Nonne sein und ihr Leben dem Dharma widmen konnte. Ihre Gel\u00fcbde sch\u00e4tzte sie als ihren einzigen Besitz, kostbarer als ihre Augen, und betete stets darum, dem Dharma noch besser folgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dies ist nur die Geschichte einer einzelnen Nonne, aber sie legt die Frage nach der Stellung westlicher Nonnen im tibetischen Buddhismus im Allgemeinen nahe. Diese Geschichte will niemanden anklagen, sie will nur die Schwierigkeiten aufzeigen, denen die Ani-Las dieser Welt begegnen. Sie m\u00f6chte praktizierende Buddhisten anregen, sich um die M\u00f6nche und Nonnen zu k\u00fcmmern und dem westlichen Sangha das Studium des Dharma zu erm\u00f6glichen, so dass er die Lehren in ihrer korrekten Form und in ihrer Tiefe lernen und diesen reichhaltigen Schatz an andere weitergeben kann, so wie es der Buddha wollte.<\/p>\n<p>Leider ist diese Geschichte kein Einzelfall innerhalb des tibetischen Sangha. Der Kalyanamitra-Fund sammelt Spenden, um westlichen tibetischen-buddhistischen Nonnen zu helfen und auf ihre Lage aufmerksam zu machen: <a href=\"http:\/\/www.ayyayeshe.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ayyayeshe.wordpress.com<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Von Ayya Yeshe Chodron; deutsch von Anagarika Sabbamitta) Originalartikel Es war Nacht geworden, und Ani-La konnte endlich das Haus verlassen, um nach Essbarem zu suchen. 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