{"id":7809,"date":"2023-12-05T05:42:13","date_gmt":"2023-12-05T04:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.samita.be\/?p=7809"},"modified":"2023-12-13T17:38:01","modified_gmt":"2023-12-13T16:38:01","slug":"better-burma-the-story-of-joah-mcghee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.samita.be\/de\/2023\/12\/05\/better-burma-the-story-of-joah-mcghee\/","title":{"rendered":"Better Burma: die Geschichte von Joah McGhee"},"content":{"rendered":"<p>Joah McGhee spricht nicht gerne \u00fcber sich selbst. Tats\u00e4chlich ist sein Name nirgends auf der Website der von ihm gegr\u00fcndeten Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation zu finden: Better Burma. Er will nur die Geschichte der Menschen erz\u00e4hlen, die ihm am Herzen liegen und die durch gewaltsame Unterdr\u00fcckung zum Schweigen gebracht wurden. Seine Vision: Unterst\u00fctzung und Hilfe nach Burma, das Goldene Land, zu bringen.<\/p>\n<p>Anfang November 2023 steht er vor uns bei einem Zoom-Treffen von Mitgef\u00fchl in Aktion (MIA), dem deutschen Zweig von Buddhist Global Relief, einer Organisation, die von dem bekannten M\u00f6nch und \u00dcbersetzer Bhikkhu Bodhi gegr\u00fcndet wurde, der ebenfalls anwesend ist und die Einf\u00fchrung gibt.<\/p>\n<p>Joah ist gekommen, Better Burma den Unterst\u00fctzern von MIA vorzustellen, die so freundlich waren Spenden f\u00fcr die Verteilung von Lebensmitteln in dem von Gewalt zerrissenen Land gesammelt haben. Dem ruhigen Amerikanischer scheint es ein wenig unangenehm zu sein, im Rampenlicht zu stehen. Normalerweise ist er derjenige, der zuh\u00f6rt und die Geschichten erz\u00e4hlt. Aber heute macht er eine Ausnahme und spricht \u00fcber sich selbst, erst z\u00f6gerlich, dann immer selbstbewusster und manchmal auch emotional.<\/p>\n<p>Joah hat 15 Jahre in Myanmar gelebt und in dieser Zeit hat er das Land und seine Menschen lieben gelernt. Er erz\u00e4hlt von den Tagen nach dem Putsch im Jahr 2021, als er sich in die Sicherheit seines Heimatlandes zur\u00fcckziehen musste. Aber sein Leben dort erschien ihm angesichts des Leids seiner Freunde in Myanmar fast bedeutungslos und irrelevant. Wenn er von Freunden angerufen wurde, die auf der Flucht waren oder sich versteckt hielten, wenn er h\u00f6rte, dass andere verhaftet oder get\u00f6tet wurden, f\u00fchlte er sich hilflos. Angetrieben von seinem Hintergrund in buddhistischer Praxis und Meditation und inspiriert von der Tapferkeit des burmesischen Volkes selbst, beschloss er, seine Podcasts, sein breites Netzwerk von Freunden in ganz Myanmar und sein Verst\u00e4ndnis der burmesischen Kultur zu nutzen, um zu helfen, die Geschichten derer zu erz\u00e4hlen, die sonst ungeh\u00f6rt bleiben, und Geld f\u00fcr eine Vielzahl von Projekten zu sammeln, um einem Volk in der Krise zu helfen.<\/p>\n<p>In den letzten drei Jahren hat Joah eine Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation aufgebaut, die mit Hilfe von burmesischen Einheimischen vor Ort, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um Menschen, die hungern, deren H\u00e4user niedergebrannt und deren Vieh get\u00f6tet wurde, mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Er kann dort helfen, wo gr\u00f6\u00dfere Organisationen keinen Zugang haben. Er erz\u00e4hlt die Geschichten der Menschen in Myanmar und macht auf ihre Notlage aufmerksam. Er unterst\u00fctzt Soldaten, die \u00fcberlaufen und nicht mehr gegen ihr eigenes Volk k\u00e4mpfen wollen.<\/p>\n<p>Joah erz\u00e4hlt, wie ihn die buddhistische Meditation bei seiner Arbeit unterst\u00fctzt und wie die Burmesen selbst in den schwierigsten Situationen Kraft aus der Praxis sch\u00f6pfen. Und dass es bei der buddhistischen Praxis auch darum geht, anderen zu helfen und nicht darum, sein Herz zu verschlie\u00dfen. Joah hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ein wenig Unterst\u00fctzung und W\u00e4rme in das Goldene Land zu bringen.<\/p>\n<p>Die gesamte Mitschrift des Abends findest du hier unten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.betterburma.org\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-7816\" src=\"https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy-300x109.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"109\" srcset=\"https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy-300x109.jpg 300w, https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy-1024x374.jpg 1024w, https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy-768x280.jpg 768w, https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy-1170x427.jpg 1170w, https:\/\/www.samita.be\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/BookandYellowSquareRetailLogocopy.jpg 1499w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dies ist die Mitschrift einer Zoom-Veranstaltung vom 2. November 2023, organisiert von <a href=\"https:\/\/www.mia.eu.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitgef\u00fchl in Aktion e.v. (MIA)<\/a>. Joah McGee, Gr\u00fcnder und Betreiber von <a href=\"https:\/\/www.betterburma.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Better Burma<\/a> und Insight Myanmar, erz\u00e4hlt seine Geschichte, teilt seine Erfahrungen \u00fcber Myanmar, die Hilfsarbeit und beantwortet Fragen.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Danke f\u00fcr eure Unterst\u00fctzung und euer Vertrauen in die Arbeit, die wir als Hilfsorganisation leisten. Mein Dank gilt auch Bhikkhu Bodhi f\u00fcr sein Vertrauen und alles, was er f\u00fcr uns getan hat.<\/p>\n<p>Ich werde mich kurz vorstellen. Ich habe eine 20-j\u00e4hrige Beziehung zu Myanmar. Sie begann vor genau 20 Jahren im Jahr 2003. Und von diesen 20 Jahren habe ich etwa 15 Jahre dort gelebt. Mein Interesse an Myanmar begann mit Meditation. Es begann damit dass ich ein Vipassan\u0101-Meditierender in der Tradition von S.N. Goenka war. Und als ich von Myanmar h\u00f6rte, woher die Linie kam, die mein Leben als sehr junger Mensch ver\u00e4ndert hatte, wurde mein Interesse daran geweckt an den Ort des Ursprungs dieser Lehren zu gehen und mehr \u00fcber die Gesellschaft dort zu erfahren. Damals war ich ein wenig naiv und ich hoffe, dass ich in den 20 Jahren seitdem etwas gelernt habe. Im Jahr 2003 ging ich mit einem Einmonatsvisum als Meditierender dorthin. Danach wollte ich zur\u00fcckzukommen. Das war wegen des Milit\u00e4rregimes damals keine leichte Sache.<\/p>\n<p>Aber gl\u00fccklicherweise konnte ich einen Job als Ausbilder bei der US-Botschaft bekommen. Damit hatte ich meinen Traumjob an meinem Traumort bekommen, und damit begann auch mein Interesse, die burmesische Gesellschaft nicht nur zu besuchen, sondern auch in ihr zu leben und mich in sie zu integrieren, sowohl durch meine berufliche Arbeit als auch durch mein Interesse an Buddhismus und Meditation. Ich begann damit Englischlehrerinnen und -lehrer darin zu schulen, wie man Englisch unterrichtet. Sp\u00e4ter entwickelte sich das zu einer Ausbildung \u00fcber Zivilgesellschaft. Dies brachte Menschen aus verschiedenen Gruppen zusammen, damit sie voneinander lernen und miteinander arbeiten konnten.<\/p>\n<p>Ich denke, dass ich mich in Myanmar in einer sehr interessanten Position befand, in der sich nur wenige Ausl\u00e4nder, die nach Myanmar kommen, befinden. Ich sch\u00e4tzte den Buddhismus und die Meditation sehr und war neugierig auf beides. Und doch war ich beruflich in der Botschaft t\u00e4tig. Ich war mir der politischen Realit\u00e4t, der Demokratie und der Menschenrechte durchaus bewusst und wurde von ihnen beeinflusst. Von Beginn meines Lebens in Myanmar an hatte ich also st\u00e4ndig mit diesen beiden unterschiedlichen Bereichen zu tun, was, wie ich glaube, f\u00fcr andere Ausl\u00e4nder nicht unbedingt der Fall ist, denn sie kommen normalerweise wegen des einen oder des anderen. So begann ich zu versuchen, die verschiedenen Schichten Burmas zu verstehen. Ich glaube, dass es auf der einen Seite Leute gibt, die sich f\u00fcr den buddhistischen Aspekt interessieren und versuchen, ihn aus seiner eigenen Perspektive zu verstehen, und auf der anderen Seite Leute, die sich mit den Menschenrechten, der Demokratie oder der Rolle des Milit\u00e4rs besch\u00e4ftigen und nur aus dieser Perspektive kommen. Ich habe dann als Podcast-Moderator und Leiter einer Non-Profit-Organisation angefangen, dem Publikum zu vermitteln wie wichtig diese beiden Dinge sind, die sich st\u00e4ndig \u00fcberschneiden. Man kann das eine nicht ohne das andere verstehen.<\/p>\n<p>Nachdem meine Arbeit in der Botschaft beendet war, wollte ich mehr Zeit mit der Meditation verbringen. Ich hatte inzwischen etwas Burmesisch gelernt, kannte das Land, und wollte mehr Zeit in Kl\u00f6stern, Meditationszentren oder sogar H\u00f6hlen verbringen und tiefer in den Buddhismus eintauchen.<\/p>\n<p>Aber wie es der Zufall wollte, war das genau der Zeitpunkt als der demokratische Wandel begann. In den Jahren des \u00dcbergangs verbrachte ich einige Jahre damit, die verschiedenen gro\u00dfen buddhistischen Traditionen zu erforschen und Pilgerreisen f\u00fcr Meditierende zu abgelegenen, aber wichtigen, Orten zu leiten und ich begann, einen Reisef\u00fchrer f\u00fcr Meditierende \u00fcber die verschiedenen Traditionen, Meditationsmethoden und -praktiken zu schreiben.<\/p>\n<p>Im Jahr 2019 begann ich mit dem Insight Myanmar Podcast, der sich damals auf Geschichten \u00fcber den Buddhismus und Meditierende konzentrierte. Nachdem ich zu diesem Zeitpunkt mehr als 10 Jahre in dem Land gelebt hatte, hatte ich das Gef\u00fchl, dass das Verst\u00e4ndnis der buddhistischen Gemeinschaften au\u00dferhalb Myanmars f\u00fcr diese Traditionen innerhalb des Landes ganz anders war als die Realit\u00e4t im Lande. Ich wollte burmesische Stimmen an die \u00d6ffentlichkeit bringen. Ich wollte die Beziehungen, die ich zu vielen Menschen, die mit Meditation und Buddhismus in Myanmar zu tun hatten, nutzen um einen Podcast machen, in dem wir uns \u00fcber das Leben in buddhistischen Gemeinschaften unterhalten und der buddhistischen Praxis eine andere Stimme geben konnten.<\/p>\n<p>Nach dem Milit\u00e4rputsch im Februar 2021 schien es dann aber unangebracht und unverantwortlich nur \u00fcber die spirituelle Seite Myanmars zu sprechen, w\u00e4hrend die Kl\u00f6ster buchst\u00e4blich in Flammen standen, Menschen auf den Stra\u00dfen starben und auch M\u00f6nche und Nonnen get\u00f6tet und inhaftiert wurden. Und so traf ich die Entscheidung, Insight Myanmar zu nutzen, um Geschichten aus der breiteren Gesellschaft zu vermitteln, die den Buddhismus beinhalteten oder auch nicht. Und nach einiger Zeit wurde mir klar, dass dies eine dauerhafte Ver\u00e4nderung war, \u00fcber die ich sehr froh bin. Wir haben nach wie vor viele Geschichten, die sich ganz oder teilweise um den Buddhismus drehen, aber wir haben auch Geschichten, die sich mit Geschichte und Wirtschaft, christlichen oder muslimischen ethnischen Gemeinschaften oder Politik besch\u00e4ftigen. Unser Podcast ist zu einer Kombination aus Geschichten \u00fcber den Buddhismus und die \u00dcberschneidung des Buddhismus mit anderen Teilen der Gesellschaft sowie mit anderen Themen geworden. Wir sind die einzige Plattform, die ausf\u00fchrliche Diskussionen \u00fcber diese verschiedenen Themen ver\u00f6ffentlicht, und wir haben inzwischen rund 80.000 H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer.<\/p>\n<p>Ich bin wirklich stolz auf die Rolle, die unsere Plattform einnehmen konnte. Zus\u00e4tzlich zu den vielen buddhistischen und kl\u00f6sterlichen Stimmen, die wir ver\u00f6ffentlicht haben, haben wir auch Botschafter und Au\u00dfenminister einiger L\u00e4nder zu Wort kommen lassen. Die meisten der demokratischen F\u00fchrer in Myanmar sowie viele Organisationen und Botschaften h\u00f6ren uns und wir sind zu einer Plattform f\u00fcr kritische Gespr\u00e4che geworden.<\/p>\n<p>Hier eine Anekdote: Ich f\u00fchrte ein Gespr\u00e4ch mit dem EU-Botschafter in Myanmar, Ranieri Sabatucci. Als er das erste Mal nach Myanmar kam, sagte ihm der Enkel des ehemaligen UN-Generalsekret\u00e4rs U Thant, dass man, um Myanmar zu verstehen, den Buddhismus verstehen m\u00fcsse. Und er suchte nach allen m\u00f6glichen B\u00fcchern und Quellen. Aber er fand nichts, was ihn wirklich gut \u00fcber den Buddhismus unterrichtete. Er sagte, dass er durch das H\u00f6ren unseres Podcasts und die Stimmen der Menschen, die \u00fcber den Buddhismus sprachen viel \u00fcber den burmesischen Buddhismus gelernt hat. Ich finde, das ist eine sch\u00f6ne Geschichte dar\u00fcber, wie die Geschichten \u00fcber die spirituelle Reise und den Buddhismus, die wir erz\u00e4hlen, nicht nur Menschen auf der spirituellen Seite erreichen, sondern auch viele Menschen denen Myanmar am Herzen liegt, um ihnen mehr Informationen zu geben, damit sie bessere Entscheidungen treffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Ende des Monats erscheint eine Folge mit Ashin Kovida (https:\/\/insightmyanmar.org\/complete-shows\/2023\/10\/26\/episode-204-ashin-kovida), einem burmesischen M\u00f6nch und langj\u00e4hrigen Verfechter der Demokratie. Ich habe mit ihm \u00fcber den Aufstieg der islamfeindlichen 969-Bewegung, ihren Anf\u00fchrer, den M\u00f6nch U Wirathu und den islamfeindlichen Teil des Sa\u1e45gha gesprochen. Er sagte, als ausl\u00e4ndische Journalisten nach Myanmar kamen, um \u00fcber die hasserf\u00fcllten anti-islamischen M\u00f6nche zu berichten, sei er zu diesen Journalisten gegangen und habe gesagt: &#8222;Wir haben auch fortschrittliche M\u00f6nche, so wie mich, und wir haben unser ganzes Leben lang gegen diese anderen M\u00f6nche gearbeitet, also sprecht bitte auch mit uns. Wir m\u00f6chten euch auch etwas \u00fcber die Art von Buddhismus erz\u00e4hlen, die wir vertreten und die sich sehr von ihnen unterscheidet&#8220;. Die Journalisten wollten nicht mit ihm reden. Er wurde nicht interviewt weil seine Geschichte nicht so interessant war wie die der hasserf\u00fcllten M\u00f6nche. Dadurch, dass wir dorthin gehen, wo die gr\u00f6\u00dferen ausl\u00e4ndischen Medien nicht hingehen, k\u00f6nnen wir Menschen zu Wort kommen lassen, die sich Geh\u00f6r verschaffen wollen, aber nicht geh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich \u00fcber unsere humanit\u00e4re Arbeit nach dem Putsch sprechen. Im Jahr 2021 gr\u00fcndete ich eine gemeinn\u00fctzige Organisation namens Better Burma, die hier in den USA als NGO registriert ist. Das Ziel war, Nothilfe und Hilfsg\u00fcter an gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppen zu leiten. Ich hatte die Hoffnung, dass durch meine Arbeit an dem Reisef\u00fchrer, den Pilgerreisen und dem Podcast so etwas wie eine Anh\u00e4ngerschaft unter den buddhistischen und meditierenden Gruppen im Westen entstanden war, die mir so weit vertrauten, dass sie mir Spenden geben w\u00fcrden, die wir dann durch unsere Kontakte zu lokalen Netzwerken an die Menschen weitergeben k\u00f6nnten, die dringend Hilfe ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p>In der Zeit seit dem Putsch vor zweieinhalb Jahren haben wir \u00fcber 100 verschiedene Projekte in ganz Myanmar, in den Grenzregionen zu Indien und Thailand und bei allen ethnischen und religi\u00f6sen Gruppen finanziert. Wir haben Gelder f\u00fcr alles M\u00f6gliche zur Verf\u00fcgung gestellt, von Bildung bis zu Nahrungsmitteln f\u00fcr M\u00f6nche, f\u00fcr verarmte Gemeinden, COVID-Nothilfe, f\u00fcr die Bewegung des zivilen Ungehorsams (CDM), f\u00fcr Medizinische Versorgung und Ausbildung, und f\u00fcr eine Vielzahl anderer Projekte.<\/p>\n<p>Myanmar ist eine auf Vertrauen basierende Gesellschaft, die auf der Grundlage von Beziehungen und Freundschaften funktioniert, und das ist die Art und Weise, in der wir in der Lage sind, effektiv Hilfe zu leisten und dorthin zu bringen wo sie gebraucht wird. Die Hilfsg\u00fcter m\u00fcssen \u00fcber vertrauensw\u00fcrdige lokale Netzwerke gehen, au\u00dferhalb der gro\u00dfen Organisationen, die nicht \u00fcber diese Verbindungen verf\u00fcgen. Wir k\u00f6nnen einsch\u00e4tzen wo die Not am gr\u00f6\u00dften ist, und dann die Hilfe dorthin bringen wo sie gebraucht wird.<\/p>\n<p>Die Dinge laufen in Myanmar ganz anders ab, und jeder, der schon einmal dort war, wird das wissen. Wenn du in ein Kloster gehen willst, um M\u00f6nch oder Nonne zu werden oder einen Meditationskurs zu besuchen, kannst du anrufen, Briefe oder E-Mails schreiben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass du eine Antwort bekommst, ist gering. Wenn du aber einfach an dem Ort auftauchst, an den du gehen willst, und deine Absicht kundtust, bekommst du wahrscheinlich ein Bett f\u00fcr die Nacht.<\/p>\n<p>Die Dinge funktionieren einfach anders. Du musst das System kennen, du musst die Gepflogenheiten kennen. Ein Teil davon ist kulturell bedingt und ein Teil davon ist, dass die Burmesen in einem Land leben, in dem sie sich viel zu lange mit einem kaputten System und ebensolchen Institutionen herumschlagen mussten. Sie umgehen das durch Vertrauen das von Angesicht zu Angesicht entsteht, auf einem Ehrenwort beruht, auf gegenseitigen Verbindungen. Das ist viel st\u00e4rker als alles andere. So war es, als ich dort gelebt habe, und so arbeiten wir auch jetzt bei der Bereitstellung unserer Mittel.<\/p>\n<p>Das erste Jahr nach dem Putsch war nat\u00fcrlich einfach schrecklich f\u00fcr die Burmesen, aber auch f\u00fcr mich war es schrecklich. Ich lebte in Amerika weil ich wie viele andere Menschen durch den Putsch vertrieben wurde. Ich lebte in Sicherheit, ein Privileg das die Burmesen nicht hatten. Aber ich wusste nicht, wie ich normal leben sollte, wenn jeder den ich kannte in Gefahr war. Mitten in der Nacht kamen Anrufe von Menschen, die auf der Flucht waren. Freunde schalteten ihre Telefone ab und ich h\u00f6rte wochen- oder monatelang nichts von ihnen. Ich wusste nicht, ob sie sich versteckten, ob sie vermisst waren, ob sie im Gef\u00e4ngnis oder tot waren. Ich als Privilegierter, der in Sicherheit lebte, wurde von der extremen Gefahr, der Angst und dem Trauma einer Gemeinschaft \u00fcberw\u00e4ltigt, die mich so lange aufgenommen hatte. Das war niederschlagend. Es gab mir aber auch die Kraft und den Willen ein Leben zu f\u00fchren, das ganz anders ist als alles, was ich bisher gekannt hatte. Es war schwer, einem hiesigen Freund zuzuh\u00f6ren, wenn er \u00fcber eine neue Fernsehserie sprach, oder meiner Mutter, die sich mit einer Freundin gerade zum Mittagessen getroffen hatte. Ich musste lernen, in beiden Welten zu leben und mich auf Menschen einzulassen, die mir wichtig sind und die an einem sicheren Ort leben, und dann an meinen Computer oder mein Telefon zu gehen und mit Menschen zu sprechen, die manchmal um ihr Leben flohen oder versuchten, eine Hinrichtung zu verhindern oder gef\u00e4hrdeten Menschen zu helfen, die auf der Flucht waren, nachdem ihr Dorf niedergebrannt worden war. Es hat ein ganzes Jahr gedauert zu lernen, wie man diese Dinge integriert.<\/p>\n<p>Was ich gerade durchmache, ist nichts im Vergleich zu dem, was die Menschen in Myanmar durchmachen m\u00fcssen. Sie haben der Welt so viel gegeben, sie haben mir so viel gegeben, und ihre Stimmen werden nicht geh\u00f6rt. Und wenn wir irgendwie dazu beitragen k\u00f6nnen, dass ihre Stimmen geh\u00f6rt werden, und wenn wir ihnen helfen k\u00f6nnen, wo es doch so wenige Anlaufstellen gibt, dann ist das einfach eine gute Sache. Die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten und mit denen wir sprechen, die Werte, die sie in den schwierigsten Situationen zeigen, sind so inspirierend. Diejenigen, die Buddhisten sind, besch\u00e4ftigen sich mit dem Dharma, und ihr Verst\u00e4ndnis des Buddhismus vermittelt ihnen auf so inspirierende Weise geistiges Gleichgewicht, Mitgef\u00fchl und Empathie. Wir h\u00f6ren nicht genug von all diesen Menschen, ob M\u00f6nche oder Laien, demokratische F\u00fchrer oder politische Gefangene. Ihre demokratischen Prinzipien und ihr Verst\u00e4ndnis von Menschenrechten leiten sich von der buddhistischen Lehre ab, und sie zitieren buddhistische Suttas und Ethik- und Meditationsanweisungen, um sich Mut zu machen und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine Gesellschaft zu begr\u00fcnden die sie aufzubauen hoffen.<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcber engagierten Buddhismus im Westen spricht, gibt es einige sehr edle Beispiele wie den Protest gegen die Verbreitung von Atomwaffen oder gegen Umweltverschmutzung oder Rassismus oder andere Dinge, die sehr wichtig sind. Aber wenn dein Leben buchst\u00e4blich auf dem Spiel steht, wenn du von Ko Jimmy h\u00f6rst, dem Demokratieaktivisten der hingerichtet wurde, und seine letzten Worte vor der Hinrichtung zu seiner Mutter waren, dass er weiterhin seinen Geist und seinen K\u00f6rper beobachtet w\u00e4hrend er zum Galgen geht, und wei\u00df dass er das Richtige getan hat: sich f\u00fcr ein besseres Land einzusetzen. Und so f\u00fchlt er sich frei. Wenn du diese Art von engagiertem Buddhismus auf diese Art von Einsatz auf Leben und Tod anwendest, sind diese Geschichten so inspirierend f\u00fcr unser Leben und wir k\u00f6nnen uns nur vorstellen, wie wir in solchen Situationen und in diesem Kontext handeln w\u00fcrden. Viele politische Gefangene haben sich im Gef\u00e4ngnis der Meditation zugewandt und auf diese Weise ihre Kraft und ihr Gleichgewicht gefunden. Das ist etwas, das wir uns nicht einmal ansatzweise nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe ein Podcast-Interview mit U Linn Thant gef\u00fchrt, dem Vertreter der Regierung der Nationalen Einheit in Europa, der 20 Jahre lang ein politischer Gefangener war. Als er mit seiner Meditationspraxis begann, hatte am n\u00e4chsten Tag einer der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter einen Autounfall. Die W\u00e4rter dachten, er w\u00fcrde schwarze Magie praktizieren, und hatten Angst wenn sie ihn meditieren sahen. Immer wenn U Linn Thant meditierte, kamen sie und schlugen ihn. Du denkst, das Einzige, was sie dir nicht nehmen k\u00f6nnen, ist die Achtsamkeit. Und dann gibt es das Bild eines Gefangenen, der allein in seiner Zelle im Schneidersitz in Achtsamkeit sitzt und ihnen sagt: &#8222;Was ich tue, ist auch gut f\u00fcr euch. Ich versuche auch, Liebe f\u00fcr dich zu entwickeln&#8220;. Wenn du dir vorstellst, dass du f\u00fcr deine Meditationspraxis geschlagen wirst und trotzdem die buddhistischen Prinzipien weiterverfolgst, dich weigerst zu hassen und dich bis heute f\u00fcr die Demokratie einsetzt, dann gerate ich ins Staunen. Ich wei\u00df nicht was ich unter der gleichen Umst\u00e4nden machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Unsere Spenden werden von den verschiedenen Netzwerken an die sie gehen gr\u00f6\u00dftenteils von Freiwilligen ausgeliefert die bei jedem Schritt extreme Vorsichtsma\u00dfnahmen ergreifen m\u00fcssen &#8211; von der Art und Weise, wie sie das Geld erhalten, \u00fcber den Kauf der Waren bis hin zum Transport und der Auslieferung. Es wurden schon Menschen inhaftiert, nur weil sie einen Facebook-Post geliked haben. Ein Auto voll Reis oder Medikamente, die sich au\u00dferhalb der Infrastruktur des Regimes befinden, kann zu ernsthaften Konsequenzen f\u00fchren. F\u00fcr die Menschen, welche die Hilfsg\u00fcter transportieren, ist das also keine normale Situation. Es gibt viele Sicherheitsaspekte die hier ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In einem Fall erhielt ich keinen Bericht \u00fcber die Verwendung einer Spende. Deswegen versuchte ich mit dem Teamleiter zu sprechen. Ich wusste, dass er in Gefahr war und dass es eine Weile dauern w\u00fcrde. Als ich ihn fragte, sagte er mir, dass einer seiner Sch\u00fcler, der ihm beim Ausliefern des Reises half, und das war ein anderes Projekt, nicht f\u00fcr uns, am Stra\u00dfenrand vom Milit\u00e4r angehalten und offenbar grundlos in den Kopf geschossen wurde. Er entschuldigte sich daf\u00fcr, dass er sich mit einem seiner noch lebenden Teammitglieder in Verbindung setzen m\u00fcsse, um den Bericht zu erhalten. Das sind die Bedingungen, unter denen die Burmesen leben.<\/p>\n<p>Bei den Projekten, die wir unterst\u00fctzt haben ist derartiges zum Gl\u00fcck noch nicht passiert, aber die Gefahr ist allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Als dieser Albtraum begann, habe ich mich bem\u00fcht buddhistische Gruppen und Medien im Westen zu erreichen. In Nachhinein denke ich, das war naiv. Ich dachte, dass Beispiele f\u00fcr einen engagierten Meditationsbuddhismus wie fortschrittliche M\u00f6nche, die die islamfeindlichen Hassm\u00f6nche kritisieren und sich Geh\u00f6r verschaffen, Dinge w\u00e4ren, die westliche Sa\u1e45ghas und westliche buddhistische Verlage interessieren w\u00fcrden, aber das taten sie nicht. Ich wei\u00df nicht, warum, aber ihr seid die Ausnahme, zusammen mit einigen anderen. Und ich danke euch daf\u00fcr, dass ihr gekommen seid und uns unterst\u00fctzt habt, nicht nur materiell, sondern auch mit eurem Herzen und eurem Verstand. Und damit beende ich meinen Vortrag und beantworte Fragen.<\/p>\n<p>Frage: Kannst du uns bitte etwas \u00fcber die Projekte erz\u00e4hlen, die von Better Burma derzeit unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n<p>Um ganz spontan \u00fcber einige unserer aktuellen Projekte zu sprechen: In der Region Bago haben Sturzfluten Zehntausende von Menschen vertrieben und wir schicken dringend ben\u00f6tigte Hilfe. Wir haben einige laufende Projekte, an denen wir schon seit Monaten arbeiten. Hier ein Blick auf die letzten Aktivit\u00e4ten:<\/p>\n<p>&#8211; Wir haben eine Gruppe Frauen ehemaliger Milit\u00e4rs finanziell unterst\u00fctzt, die eine Ausbildung absolvieren um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und versuchen, weitere Ehefrauen anzusprechen, um ihre Partner dazu zu bringen, \u00dcberl\u00e4ufer zu werden und sich der Demokratiebewegung anzuschlie\u00dfen,<br \/>\n&#8211; eine verdeckte medizinische Ausbildung in der Region Sagaing, um die betroffene Zivilbev\u00f6lkerung medizinisch zu versorgen,<br \/>\n&#8211; Die Versorgung der M\u00f6nche mit Lebensmitteln ist eine fortlaufende Aufgabe,<br \/>\n&#8211; Die Versorgung der Klosterschulen mit Lebensmitteln ist eine weitere Aufgabe,<br \/>\n&#8211; politische Gefangene, die inhaftiert sind,<br \/>\n&#8211; Care-Pakete mit Lebensmitteln und Medikamenten, die wir \u00fcber unsere Netzwerke verteilen,<br \/>\n&#8211; Wir haben acht Schulen f\u00fcr 900 Sch\u00fcler in Mizoram in Indien f\u00fcr Chin-Fl\u00fcchtlinge gebaut.<\/p>\n<p>Das sind nur einige Beispiele f\u00fcr die laufenden Aktivit\u00e4ten, die wir im Moment haben.<\/p>\n<p>Um das klarzustellen: Das waren die allgemeinen humanit\u00e4ren Aktivit\u00e4ten von Better Burma. Es waren nicht die Aktivit\u00e4ten, die wir im Rahmen des gro\u00dfz\u00fcgigen Zuschusses von MIA durchf\u00fchrten. Wir sind uns also der Einschr\u00e4nkungen bewusst, dass es sich um Nahrungsmittelhilfe handeln muss, die innerhalb des Landes und nicht in den Grenzregionen geleistet werden darf, und dass sie nicht religi\u00f6s motiviert sein darf, sondern den Menschen zugute kommen muss, und die gesamte Unterst\u00fctzung, die wir im Rahmen dieser Hilfe geleistet haben, hat diese Voraussetzungen erf\u00fcllt. Die Antwort, die ich gegeben habe, war also, dass unsere vielen humanit\u00e4ren Missionen als Teil der verschiedenen Spenden, die an verschiedenen Orten eingingen, durchgef\u00fchrt wurden. Mit den Geldern, die ihr uns zur Verf\u00fcgung gestellt habt, haben wir bisher sieben Gruppen unterst\u00fctzt, die haupts\u00e4chlich ethnische Minderheiten, Laien (nicht M\u00f6nche) und von Nahrungsmittelknappheit betroffene Menschen unterst\u00fctzt haben. Wir haben uns also definitiv an die Richtlinien eures Zuschusses gehalten.<\/p>\n<p>Frage: Gibt es irgendwelche Risse in der Herrschaft des Milit\u00e4rregimes, irgendwelche Anzeichen daf\u00fcr, dass es in Zukunft einen positiven Wechsel geben k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Es gibt eine Hintergrundantwort und eine direktere Antwort. Ich werde zuerst die Hintergrundantwort geben.<\/p>\n<p>Etwa ein Jahr nach dem Putsch erhielt ich von vielen gut informierten Personen die ich fragte die gleiche Antwort. Ihre Antwort lautete, dass die M\u00f6glichkeiten des Milit\u00e4rs, den Sieg zu erringen, sehr begrenzt sind. Sie hielten einen Sieg des Milit\u00e4rs f\u00fcr unwahrscheinlich. Die Frage war nicht, ob das Volk gewinnen w\u00fcrde, sondern was von dem Land \u00fcbrig bleiben w\u00fcrde und wie blutig der Sieg ausfallen w\u00fcrde, wenn es weiterhin keine Unterst\u00fctzung von au\u00dfen gab. Das war also die Annahme mit der ich in den letzten Jahren gearbeitet habe.<\/p>\n<p>Doch diese Woche gab es die wahrscheinlich wichtigste Entwicklung seit dem Putsch, die Operation 1027. Sie wird Operation 1027 genannt, weil sie am 27. Oktober 1027 stattfand. Sie wurde acht Monate lang von einer Reihe Milizen geplant, die in einem koordinierten Angriff Milit\u00e4rposten im ganzen Land angriffen und Milit\u00e4rbasen sowie viele der so genannten Online-Betrugszentren \u00fcbernahmen, in denen im Grunde Sklaven arbeiten, die gezwungen werden Internetbetrug zu betreiben. Diese Zentren erwirtschafteten buchst\u00e4blich Milliarden von Dollar und ein gro\u00dfer Teil davon finanzierte das Milit\u00e4r. Es handelte sich also um eine sehr bedeutende Operation.<\/p>\n<p>Und es k\u00f6nnte ein so genannter &#8222;schwarzer Schwan&#8220; eintreten, bei dem etwas Unvorhersehbares passiert und das Milit\u00e4r innerhalb von Tagen, Wochen oder Monaten zusammenbricht. Das k\u00f6nnte schon sehr bald passieren. Es k\u00f6nnte auch zu einer st\u00e4rkeren Ann\u00e4herung an Russland oder China kommen, zu mehr Gr\u00e4ueltaten und Blutvergie\u00dfen und zu Taten, die das Milit\u00e4r aus Angst vor einer Niederlage ver\u00fcbt. Und wenn es im Westen weiterhin an Engagement mangelt, dann wird das Milit\u00e4r immer noch verlieren, aber es k\u00f6nnte eine sehr lange und sehr blutige Niederlage sein. Selbst wenn wir morgen eine Welt ohne die Junta haben, wird durch den Schaden, den das Milit\u00e4r angerichtet hat, alles, von der Bildung \u00fcber die Elektrizit\u00e4t bis zur Infrastruktur, um eine Generation zur\u00fcckgeworfen sein. Es wird ein Jahrzehnt dauern, bis wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir im Januar 2021 waren.<\/p>\n<p>Selbst im besten Fall haben wir immer noch eine sehr brenzlige Situation vor uns. Und das unterstreicht nur dass wir auch weiterhin humanit\u00e4re Unterst\u00fctzung sowie Medien- und Lobbyarbeit brauchen.<\/p>\n<p>Frage: Sind die Meditationszentren offen f\u00fcr Burmesen und Ausl\u00e4nder?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde diese Frage so beantworten, dass es im Moment einen gro\u00dfen Unterschied gibt zwischen dem, was in der Stadt passiert, und dem, was auf dem Land passiert. In den St\u00e4dten gibt es einen Anschein von Normalit\u00e4t, der durch Bomben, Verhaftungen und Terror punktuell unterbrochen wird, aber es gibt eine seltsame Art von angespannter Normalit\u00e4t. Das Land ist unter Beschuss, die Zahlen sind verr\u00fcckt. In der Trockenzone, der Sagaing-Region, hat das Milit\u00e4r Zehntausende von D\u00f6rfern niedergebrannt, im wahrsten Sinne des Wortes, sie haben die D\u00f6rfer leer gefegt und niedergebrannt. Es sind die l\u00e4ndlichen Regionen auf dem Land, die angegriffen werden. Nichts ist dort mehr normal. Soweit ich wei\u00df, sind in der Not viele Kl\u00f6ster und Meditationszentren zu Fl\u00fcchtlingslagern geworden. Ich habe einen Podcast gemacht, in dem ein burmesischer Meditationslehrer erz\u00e4hlt, wie er ein intensives Meditationsretreat leitet und das Milit\u00e4r das Zentrum angreift, Artillerie abwirft, die Kugeln fliegen durch das Zentrum welches dann \u00fcberrannt wird, w\u00e4hrend die Meditierenden meditieren. Das Meditationszentrum wird zu einem Fl\u00fcchtlingszentrum. Es ist zur Normalit\u00e4t geworden, dass man sein Leben so gut wie m\u00f6glich leben muss, w\u00e4hrend man den Terror um sich herum akzeptiert. Und so gibt es an Orten, die nicht so stark betroffen sind, weiterhin Meditationskurse, M\u00f6nche, die ihren normalen Pflichten nachgehen, sowie Bars, Restaurants, Caf\u00e9s und Schulen, die an einigen Orten bis zu einem gewissen Grad ge\u00f6ffnet bleiben. \u00dcber all diesen Spannungen liegt ein Hauch von Normalit\u00e4t. Es ist ja nicht so, dass das ganze Land durch den Krieg zerrissen ist. Es ist auch f\u00fcr mich schwer zu verstehen, wo sich der Terror und der Konflikt mit der Normalit\u00e4t des t\u00e4glichen Lebens \u00fcberschneiden, aber bis zu einem gewissen Grad ist das an einigen Orten immer noch der Fall.<\/p>\n<p>Was die ausl\u00e4ndischen Meditierenden angeht, bin ich der Meinung, dass es augenblicklich nicht angebracht ist Burma zu besuchen. Zum einen legitimiert es das Regime, wenn Ausl\u00e4nder dorthin kommen. Das ist genau das, was sie wollen, n\u00e4mlich zeigen, dass Myanmar ein normales Land ist in das Menschen kommen und es besuchen k\u00f6nnen. Es tr\u00e4gt also dazu bei, das Regime zu legitimieren. Und dann gehen ausl\u00e4ndische Meditierende in Kl\u00f6ster oder Meditationszentren, in denen die Menschen sich kaum selbst ern\u00e4hren und selbst versorgen k\u00f6nnen. Und viele dieser Orte sind \u00fcberlaufen, weil sie Fl\u00fcchtlingszentren sind. Deshalb denke ich, dass es ein bisschen egoistisch ist, als ausl\u00e4ndischer Meditierender in ein Land zu gehen, das mit einem andauernden Trauma konfrontiert ist. Manchmal kommen ausl\u00e4ndische Meditierende auf mich zu und sagen: &#8222;Ich bin nicht politisch, ich gehe nur zum Meditieren dorthin, also sollte es okay sein&#8220;. Ich glaube, das ist ein Symptom f\u00fcr das, was ich zu Beginn meines Vortrags gesagt habe: &#8222;Meditation&#8220; und &#8222;Politik&#8220; sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, aber das stimmt in Myanmar nicht. Deine Entscheidungen sind politisch und du kannst die politischen Implikationen deiner Entscheidungen erkennen oder du kannst behaupten, dass sie nicht politisch sind und dich dann nicht damit auseinandersetzen, aber die Entscheidungen haben politische Implikationen und ich denke, dass dies eine sehr traumatische Zeit ist.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Meditierende fragen mich manchmal: &#8222;Ist es sicher f\u00fcr mich, dorthin zu gehen, oder wenn ich es vorhabe, bin ich dort sicher&#8220;? Meine Antwort ist, dass du wahrscheinlich sicher sein wirst. Es ist nicht 100% sicher, du k\u00f6nntest in eine gewaltt\u00e4tige Situation geraten, vor der du dich nicht sch\u00fctzen kannst, oder du k\u00f6nntest verhaftet werden. Das ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht unm\u00f6glich. Die eigentliche Frage ist, wie sich deine Anwesenheit auf die Sicherheit der Burmesen auswirken wird. Und das ist etwas viel Ernsteres, denn die Burmesen, die mit dir zu tun haben werden unter Verdacht stehen, und sie k\u00f6nnen nicht einfach sagen, &#8222;Oh, es ist f\u00fcr Dhamma, es ist f\u00fcr die Meditation&#8220;. Die Wahrheit ist, dass sie einem Risiko ausgesetzt sind. Wenn du mit Burmesen zu tun hast, werden sie dir das nicht unbedingt sagen, weil sie so gro\u00dfz\u00fcgige und wunderbare Gastgeber sind. Ihr Wunsch, dich zu unterst\u00fctzen, mit dir zu verkehren und dich aufzunehmen, wird sie in Gefahr bringen, vielleicht ein kleines Risiko, vielleicht ein gro\u00dfes Risiko, aber ich denke, das ist eine weitere Komponente: Es geht nicht nur um unsere eigene Sicherheit, sondern auch darum, wie unsere Anwesenheit die Sicherheit anderer beeinflusst.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, das ist nicht die Antwort, die wir h\u00f6ren wollen. Ich wei\u00df, dass das sehr entt\u00e4uschend und entmutigend ist. Es ist einfach meine ehrliche Antwort darauf, wie ich die Dinge dort verstehe und wie ich die burmesische Gesellschaft im Allgemeinen verstehe. Ich denke, dass die Burmesen nicht diejenigen sind, die das sagen w\u00fcrden, weil sie so gro\u00dfz\u00fcgig sind und den Dhamma teilen und unterst\u00fctzen wollen. Aber ich glaube, dass jetzt die falsche Zeit ist, um nach Burma zu reisen und dort zu meditieren. Ich denke einfach, dass es eine angespannte und instabile Zeit in ihrer Gesellschaft ist und dass sie es sind, die Unterst\u00fctzung brauchen. Normalerweise unterst\u00fctzen sie uns wenn wir kommen, aber im Moment brauchen sie unsere Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Frage: Ist Deine Arbeit f\u00fcr Better Burma ein Vollzeitjob?<\/p>\n<p>Ja, das ist sie. Normalerweise arbeite ich von morgens bis abends, sieben Tage die Woche. Seitdem ich angefangen habe, habe ich normalerweise keine freien Tage. Ich glaube, wenn du siehst, was die Menschen dort durchmachen, weckt das in dir den Wunsch, nicht das Gef\u00fchl zu haben, dass du irgendetwas h\u00e4ttest tun k\u00f6nnen, was du nicht getan hast. Ich glaube, das ist etwas, was ihr in Deutschland angesichts der schwierigen Geschichte, dem Zweiten Weltkrieg, wahrscheinlich nachvollziehen k\u00f6nnt: das Gef\u00fchl, aufzustehen und das Richtige zu tun, wenn das Schicksal dich an diesen Punkt gebracht hat. Ich glaube, das hat mich seit dem Putsch beseelt. Als ich Better Burma ins Leben rief, hatte ich keine Ahnung, dass es so lange dauern w\u00fcrde, das Milit\u00e4rregime und der Widerstand. Es war wirklich nur ein Notbehelf, von dem wir dachten, dass er f\u00fcr ein paar Wochen, vielleicht Monate helfen k\u00f6nnte. Aber als der Konflikt weiterging und Better Burma sich von einer Notfallorganisation zu einer richtigen Organisation entwickelte, wurde meine Rolle von der eines Freiwilligen, der nur versuchte, sich in dieser Art von Notfallhilfe zu engagieren, zu einer viel dauerhafteren. Um also die Frage zu beantworten: Ja, es ist ein Vollzeitjob.<\/p>\n<p>Manchmal wissen wir nicht, wie viele Monate uns noch bleiben, nicht nur f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der humanit\u00e4ren Hilfe, sondern auch f\u00fcr die Medien und die allgemeinen Verwaltungskosten, die zwar nicht sehr hoch sind, aber dennoch im Auge behalten werden m\u00fcssen. Wir hoffen immer noch auf eine gewisse Nachhaltigkeit und darauf, dass wir in der Lage sind, den Kopf etwas l\u00e4nger \u00fcber Wasser zu halten.<\/p>\n<p>Frage: Glaubst du, dass wir jemals nach Myanmar zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, um in diesem Leben zu meditieren?<\/p>\n<p>Ja, ich bin hoffnungsvoll. Ich meine, es k\u00f6nnte n\u00e4chstes Jahr sein, es k\u00f6nnte in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren sein. Myanmar hat vor den 60er, 70er und 80er Jahren eine Zeit durchgemacht, in der die Achtsamkeitsbewegung im Westen Fu\u00df fasste und es f\u00fcr Ausl\u00e4nder sehr schwierig war, nach Myanmar zu kommen. Dann gab es eine \u00d6ffnung und ein Aufbl\u00fchen von Pilgerreisen und Kursen und Meditierenden und Gruppen und Lehrern, wie wir es nie zuvor gesehen haben. Das gibt uns eine Vorstellung davon, was m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ich bin auf jeden Fall hoffnungsvoll, ich bin sehr optimistisch. Die Frage ist nur, wann es passieren wird und wie viel Blut dabei vergossen wird. Das ist die h\u00e4ssliche, tragische Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es gibt Ausl\u00e4nder, die sich f\u00fcr die Meditation interessieren und diesem Moment Myanmar den R\u00fccken zugekehrt und ihr Herz verschlossen haben. Das Gegenteil davon ist es, wof\u00fcr ich die Menschen auf diesem Treffen sch\u00e4tze und zu einer \u00d6ffnung des Herzens aufrufe, was auch immer das bedeuten mag, sei es eine Spende, sei es das Anh\u00f6ren eines Podcasts oder einfach nur das Teilnahme an dieser Veranstaltung.<\/p>\n<p>Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass das Milit\u00e4rregime, darauf besteht, dass jede lokale Gruppe, die Hilfe leistet, sich offiziell bei ihm registrieren lassen muss. Das ist nat\u00fcrlich illegitim und f\u00fchrt zu einer sehr problematischen Dynamik, bei der sich jede internationale NGO oder lokale Organisation entscheiden muss: Wollen wir uns mit dem Regime verb\u00fcnden oder wollen wir uns nicht registrieren lassen und sind dann &#8222;illegal&#8220; und alles, was wir tun ist ebenfalls &#8222;illegal&#8220;. Das ist der Widerspruch mit dem alle Gruppen in Myanmar konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Ich war Anfang des Jahres in Washington DC und hatte ein Treffen mit zwei ehemaligen US-Botschaftern in Myanmar, die zu unterschiedlichen Zeiten dort waren. Einer von ihnen fragte mich nach unseren Hilfsprojekten und ich sagte, dass wir Projekte in der Gegend um Sagaing haben, die stark angegriffen wird. Es gibt dort eine Menge Probleme und ein Botschafter war erstaunt: &#8222;Wie wollt ihr da Geld rein bringen? Wir k\u00f6nnen es nicht, wir wollen helfen, aber wir wissen nicht, wie&#8220;. Und ich erkl\u00e4rte ihm die ganze Prozedur. Das ist eben der Unterschied zwischen einer kleinen Organisation mit lokalen Vertrauens-basierten Netzwerken und einer gro\u00dfen offiziellen diplomatischen Mission, die endlose Checklisten abhaken muss. Myanmar befindet sich in einer so ungew\u00f6hnlichen Situation, dass Standardverfahren, die in anderen L\u00e4ndern funktionieren, hier nicht funktionieren.<\/p>\n<p>Aber wenn du in der Lage bist, \u00fcber den Tellerrand hinaus zuschauen und L\u00f6sungen zu finden, die funktionieren, die unkonventionell sind, dann funktioniert das.<\/p>\n<p>Ich danke euch allen so sehr. Ich meine, ich danke euch nat\u00fcrlich f\u00fcr die materielle Unterst\u00fctzung, aber ich danke euch auch daf\u00fcr, dass ihr eure Herzen ge\u00f6ffnet habt. Manchmal ist es sogar noch schwieriger, mit offenen Herzen da zu sein, das ist manchmal das Schwierigste. Danke, dass ihr mir erlaubt habt, zu sprechen.<\/p>\n<p>Webseiten:<br \/>\n&#8211; Better Burma: https:\/\/www.betterburma.org\/<br \/>\n&#8211; Insight Myanmar: https:\/\/insightmyanmar.org\/<\/p>\n<p>https:\/\/youtu.be\/deGsHUaM5UE<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joah McGhee spricht nicht gerne \u00fcber sich selbst. 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