Samita ASBL

„Der Empfänger bestimmt die Botschaft“

(von Maria Backes)

Meine Freundin Anna sagt mir das so oft: „Der Empfänger bestimmt die Botschaft!“„Leider“, fügt sie dann häufig noch hinzu.

Dieser Satz bezieht sich auf Geschichten wie diese: „Es gibt da eine Person, die mit mir zusammenarbeitet, und die so oft Dinge, die ich zu ihr sage, völlig falsch auffasst. Ich sage ihr etwas Liebes, möchte ihr ein Kompliment machen, und sie versteht es als Angriff oder Beleidigung. Aber das liegt außerhalb meines Einflussbereichs, da kann ich nichts machen. Der Empfänger bestimmt die Botschaft.“

Neulich erzählte Anna mir Folgendes: „Ich habe mit Eva über meinen Schwiegervater gesprochen. Seit die Schwiegermutter gestorben ist, haben mein Mann und ich es wirklich nicht leicht mit ihm. Viele Dinge, die er eigentlich noch selbst tun kann, lässt er uns machen, und er beschwert sich dauernd, dass er zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: ‚Mit dem Hund geht ihr eine Stunde spazieren, und für mich habt ihr nur eine halbe Stunde Zeit; so wenig bin ich euch wert!‘ Wenn wir wüssten, dass er eine Demenz entwickelt, könnten wir ihm diese Dinge ja viel leichter nachsehen. Aber wir denken, dass er einfach nur stur ist. Und dann ist so etwas schon verletzend.

‚Wieso?‘, fragte Eva da, ‚Wieso musst du dich verletzt fühlen? Du bist doch der Empfänger‘wie oft sie diesen Spruch wohl von mir gehört hat?‚und dann bestimmst du die Botschaft!‘ Recht hat sie; so hab ich das bisher noch nie gesehen. Wie mich das erleichtert!“

So kam es, dass Anna lernte, ihren eigenen Spruch in einem umfassenderen Sinn anzuwenden.

Aus der Zeit des Buddha gibt es diese Geschichte: Ein Brahmane aus der einflussreichen Familie der Bharadvajas war Schüler des Buddha geworden und hatte Ordination als Mönch genommen. Einer seiner Verwandten mit dem Namen „der Beleidiger“ war darüber sehr erzürnt und suchte den Buddha auf, um ihn mit einer Flut von Beschimpfungen und Beleidigungen zu überschütten. Die Antwort des Buddha auf diese „Gabe“ war, dass er sie nicht annahm.

„Bekommst du manchmal Besuch von Verwandten, Freunden oder Kollegen“, fragte er seinen Gesprächspartner, „und bietest du ihnen dann etwas zu essen und zu trinken an?“

„Ja.“

„Und wenn sie es nicht wollen, wem gehört es dann?“

„Mir.“

„Genauso mit deinen beleidigenden Worten: Ich will sie nicht, sie gehören dir.“

Der Empfänger bestimmt die Botschaft!